Abschiede professionell und menschlich gestalten
Veränderungen gehören zum Arbeitsleben und ein Abschied kann eine der emotionalsten Situationen für ein Team sein. In den ersten Wochen des Jahres habe ich eine Führungskraft begleitet, die genau damit konfrontiert wurde: Eine langjährige Mitarbeiterin kündigte.
Die Führungskraft stand vor vielen Fragen: „Wie sage ich es dem Team? Wie sage ich es den Kund:innen? Wie gehe ich selbst damit um? Was passiert jetzt?“
Die Situation war emotional und herausfordernd und zugleich eine Chance, den Abschied professionell und menschlich zu gestalten.
Ich begleitete die Führungskraft genau in diesem Veränderungsprozess des Abschiedes und Neubeginns. Und es hat sich wieder gezeigt, wie wichtig ist, sich als Führungskraft mit diesem Thema bewusst auseinanderzusetzen und es aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten.
Das Ziel im Coachingprozess war es, Sicherheit und Orientierung, aber auch Perspektiven für sich selbst, die verbleibenden Mitarbeiter:innen und auch Kund:innen zu geben.
Warum Abschiede mehr sind als Prozesse
Sachlich betrachtet ist das kein Thema: Infobrief schreiben, Abschiedsbrief dazu hängen und in diesem Fall auch den Willkommensbrief der neuen Mitarbeiterin vorbereiten, die es schon gibt. Klingt einfach und plausibel.
Doch genau hier liegt oft die Herausforderung: Menschen sind keine „Prozesse“, die man einfach abarbeitet. Jede Veränderung, jeder Abschied berührt Emotionen. Sei es Unsicherheit, Trauer, Erleichterung oder auch Neugier. Als Führungskraft in dieser Situation zu agieren, bedeutet weit mehr als die sachliche Information zu übermitteln. Es geht darum, Vertrauen, Klarheit und Zuversicht zu schaffen.
Und weil Veränderungen mehr sind als organisatorische Schritte, berühren sie Menschen, Emotionen und Teamdynamiken.
Positive Leadership in der Praxis bei Veränderungen:
Gemeinsam haben wir eine Strategie entwickelt, um den Abschied wertschätzend und professionell zu gestalten:
- Die eigene Haltung klären
- Wertschätzung zeigen
- Transparente Kommunikation
- Das Team einbeziehen
- Einzel- und Teamgespräche anbieten
- Präsenz zeigen als Führungskraft
Der entscheidende Punkt: Nachdem sich die Führungskraft ihrer eigenen Emotionen bewusst war, fiel es ihr leichter, die Emotionen der Personen um sie herum zu regulieren und sich gleichzeitig abzugrenzen.
Abschiede professionell gestalten
1.Eigene Haltung klären
- Reflektiere deine Gefühle und Bedürfnisse.
- Formuliere deine Botschaft authentisch.
2.Wertschätzung zeigen
- Leistungen sichtbar anerkennen.
- Persönliche Abschiedsrituale planen.
- Dank öffentlich kommunizieren.
3.Transparente Kommunikation
- Frühzeitig informieren, klare Schritte erläutern.
- Unsicherheiten durch offene Worte reduzieren.
4.Team einbeziehen
- Rollen und Aufgaben klären
- Teamreflexion ermöglichen
- Raum für Fragen und Sorgen schaffen
- Integration neuer Kolleg:innen aktiv unterstützen.
5.“Nachbetreuung“
- Teamreaktionen prüfen.
- Einzel- oder Teamgespräche anbieten.
- Feedback für zukünftige Abschiede nutzen.
Tipps für die Kommunikation nach außen
Wenn die Mitteilung nach außen geht, gilt:
- Die Reaktionen nicht persönlich zu nehmen.
- Die Gefühle und Emotionen sind kein Urteil über deine Arbeit.
- Als Führungskraft hältst du den Rahmen, aber nicht die Emotionen der Beteiligten.
Fazit
Zusammenfassend möchte ich festhalten, dass Abschiede zum Arbeitsleben gehören. Die Kunst besteht darin, sie so zu gestalten, dass alle Beteiligten, ob einzelne Menschen, das Team oder das Unternehmen respektvoll und wertschätzend damit umgehen können. Positive Leadership zeigt sich hier in klarer Kommunikation, Einfühlungsvermögen und dem Blick auf gemeinsame Lösungen. Wer seine eigene Haltung kennt und wertschätzend kommuniziert, kann die Dynamik im Team steuern und den Übergang zu einem Moment des Wachstums machen.
Alles Liebe Elisabeth
